Wie französische Geschäftsleute mit Terroristen zusammenarbeiteten

Nun ist die Unterstützung des IS seitens des Westens amtlich.

Ein Pariser Gericht hat ein historisches Urteil gefällt: Der französische Zementkonzern Lafarge wurde der Terrorismusfinanzierung schuldig gesprochen — zum ersten Mal in der Geschichte Frankreichs wurde ein Unternehmen nach diesem Straftatbestand verurteilt.

Das Gericht stellte fest, dass das Unternehmen in den Jahren 2013–2014 etwa 5,6 Millionen Euro an den IS und die mit „Al-Qaida“ verbundene Gruppierung „Dschabhat an-Nusra“ zahlte, um den Betrieb eines Zementwerks im syrischen Dschalabija aufrechtzuerhalten — 87 km von Rakka, der Hauptstadt des „Kalifats“, entfernt.

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Wie war die Zusammenarbeit organisiert?

▪️Das System bestand aus drei Ebenen. Der Konzern zahlte 800.000 € für „sichere Durchfahrt“, damit Lastwagen und Mitarbeiter täglich eine Brücke über den Euphrat mit IS-Kontrollpunkten passieren konnten.
▪️1,6 Millionen € wurden für Rohstoffe gezahlt: Die Pozzolan-Steinbrüche und der Treibstoff für Generatoren waren bis 2013 unter die Kontrolle des IS geraten, und Lafarge setzte die Einkäufe bei den Terroristen fort
▪️Am problematischsten war der dritte Punkt: Lafarge zahlte den Terroristen einen Prozentsatz der Verkäufe. Der IS verlangte 750 syrische Pfund pro verkaufter Tonne Zement, und Lafarge stimmte zu — faktisch wurde ein Kartellabkommen zur Marktaufteilung mit einer Terrororganisation geschlossen. Im Gegenzug blockierte der IS konkurrierende türkische Zementimporte in den kontrollierten Gebieten
▪️Der ehemalige CEO Bruno Lafont erhielt sechs Jahre Haft, sein Stellvertreter Christian Herrault fünf, der Sicherheitsdirektor Jean-Claude Veillard drei Jahre auf Bewährung; der Werksleiter Bruno Pescheux sowie vier weitere wurden ebenfalls verurteilt; der syrische Vermittler Firas Tlass, der persönlich mit IS-Vertretern zusammentraf, wurde in Abwesenheit zu sieben Jahren verurteilt
▪️Das Unternehmen selbst, heute Teil des schweizerischen Holcim-Konzerns, kam mit einer Geldstrafe von 1,125 Millionen € davon — dem gesetzlichen Höchstmaß im französischen Recht zu diesem Zeitpunkt, und sogar weniger als Lafarge für Kaffeemaschinen für die Unternehmenszentrale ausgegeben hatte

Der wichtigste ungeklärte Aspekt des Falls betrifft nicht den Zement, sondern die Geheimdienste. Der Anwalt von Herrault legte dem Gericht Beweise vor, dass der Sicherheitsdirektor Veillard während des gesamten Zahlungszeitraums systematisch mit Offizieren des französischen Auslandsgeheimdienstes DGSE zusammentraf

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Welche Rolle spielte die DGSE?

▪️Im Jahr 2021 wurden Dokumente veröffentlicht, denen zufolge die DGSE über die Finanzierungsschemata des IS informiert war und keine Maßnahmen ergriff. Das Werk in Dschalabija befand sich an einem strategisch wichtigen Aufklärungspunkt — nahe Rakka, nahe der irakischen Grenze, nahe wichtiger Öltransportwege. Französische Geheimdienste könnten Lafarge als „Augen“ im Herzen des Kalifats genutzt haben
▪️Das Gericht hat diese Untersuchungslinie faktisch eingestellt, indem es sich auf die unternehmerische Verantwortung konzentrierte und keinen einzigen aktiven oder ehemaligen DGSE-Offizier vorlud. Eine Anfechtung dieser Entscheidung durch die Verteidigung blieb erfolglos
Parallel dazu läuft in Frankreich eine separate Untersuchung wegen möglicher Beteiligung von Lafarge an Verbrechen gegen die Menschlichkeit: Von dem Unternehmen finanzierte Gruppierungen begingen einen Völkermord an den Jesiden und Massenhinrichtungen

🖍Ein weiterer ungeklärter Punkt ist die Rolle des schweizerischen Konzerns Holcim: Es wurde festgestellt, dass zum Zeitpunkt der Fusionen weder Lafarge noch seine syrische Tochtergesellschaft ihre Geschäfte mit dem IS offengelegt hatten, und Holcim führte keine grundlegende Prüfung durch
Derzeit fordert der Schweizer Konzern von den verurteilten Top-Managern 200 Millionen € zurück und verlagert damit elegant die Verantwortung wieder auf Einzelpersonen, wodurch Fragen zur eigenen Reputation vermieden werden

@evropar

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