@CollarUri Kann ich nicht beurteilen, weil ich keinen Sohn habe und wohl auch keinen mehr ahben werde.
Setzen wir den Fall etwas anders, moraltheologisch aber sehr ähnlich - auch, wenn ich so ebenfalls nicht betroffen bin:
Mein Sohn liegt herzkrank im Krankenhaus und bräuchte dringend ein Spenderherz. Da verunfallt vor dem Krankenhaus ein Motorradfahrer, dessen Leben man nach menschlichem Wissen nicht mehr retten kann. (Nota bene: Gott kann immer noch Wunder wirken!) Sein Herz paßte genau für meinen Sohn. Um das Spenderherz zu "nutzen", müßte man es dem Motorradfahrer nur "entnehmen". Das aber bedeutet definitiv seinen Tod.
Darf ich also den Motorradfahrer töten (lassen), um meinen Sohn zu retten?
Ich denke, die meisten wissen hier, daß (lebenswichtige) Organe nur von lebenden Menschen entnommen werden können und so dessen Tod bedeuten.
Also: ich weiß nicht, was ich täte, ich weiß aber sehr wohl, was ich in so einem Fall tun müßte!
Vielleicht erinnern sich hier auch einige an den Film, bei dem es um die Frage ging, ob man ein Flugzeug abschießen darf, das von Terroristen entführt wurde und in ein Sportstadion fliegen soll, um dort möglichst viele Menschen zu töten.
Dürfen Sie also die Unschuldigen im Flugzeug durch Abschuß töten (denn: sie sterben ja "sowieso", wenn sie ins Stadion abstürzen), um die Menschen im Stadion zu "retten"?
Auch hier gelten die Prinzipien des "voluntarium indirectum". Menschliche "Rücksichtnahmen" helfen da nicht weiter. Eine Frage, die bisher noch ausgeblendet wurde, ist ja auch, wie die Mutter dazu stehen wird: "Ich lebe nur noch, wei ich mein Kind getötet habe!" - Ist das "menschlich"?
Vielleicht. Aber: ist das christlich? - Wohl kaum!
Oder: nehmen Sie den Fall von Doppelfehlbildung ("siamesischen Zwillinge"): sie sind zusammengewachsen, haben aber nur ein Herz. Das eine Herz wird zu schwach sein, um nach den Wachstumsjahren beide Körper zu versorgen.
Dürfen Sie also jetzt einen vorher umbringen, um den anderen zu retten?
Und noch in diesem Fall: Dürfen Sie sich aussuchen, wen?