Maria Lichtmess und Lichtmesskerzen für dreitägige Finsternis
Nun, damit das vollumfänglich verstanden werden kann, muss man wohl den Ursprung und die Bedeutung des Festes 'Maria Lichtmess', früher 'Mariä Reinigung', jetzt 'Darstellung des Herrn' etwas genauer erklären. 'Mariä Reinigung' erinnert an den jüdischen Brauch, dass eine Mutter vierzig Tage nach der Geburt eines Sohnes als unrein galt und im Anschluss daran daher ein Reinigungsopfer darbringen musste... übrigens, die Zahl vierzig ist kein Zufall, diese 40-tägige Regenerationszeit nach einer Geburt gibt's in vielen Kulturen, bei uns sind es die 40 Tage Wochenbett... aus diesem Grund wird die Kindheit Jesu eigentlich 40 Tage lang betrachtet und Weihnachten endete daher früher genau nach 40 Tagen an Maria Lichtmess. Und auch der Aspekt der Reinigung kommt auch anderswo vielfach vor... im altröm. Jahr war der letzte Monat ein Reinigungsmonat, daher auch der Name Februar, von lat. februa 'Reinigung', februare 'reinigen'. Nun, da außerdem Jesus der erste Sohn war, galt er als Eigentum Gottes und musste von den Eltern zuerst ausgelöst werden: er sollte zum Priester gebracht und Gott übergeben, also vor Gott "dargestellt" und dann durch ein Geldopfer wieder ausgelöst werden. Als die Eltern zu diesem Zweck in den Tempel kamen, begegneten sie dem betagten Simeon und der Prophetin Hannah, die erkannten, dass Jesus kein gewöhnliches Kind ist und ihn als den Erlöser Israels priesen: Lk 2,21 - 40.
Zusammengefasst: Das Gesetz Mose schrieb damals Juden vor, ein Neugeborenes innerhalb einer bestimmten Frist in den Tempel zu bringen. Das Lukasevangelium berichtet von zwei Riten, die die Heilige Familie an dem Tag erledigt: Im Tempel sollte die "männliche Erstgeburt dem Herrn geweiht" werden und die Mutter sollte zur "Reinigung" ein Schaf und eine Taube an den Priester übergeben. Übrigens ist es sehr interessant, dass bei Lukas nicht explizit steht, dass Maria und Josef ihn auslösten. In der Ostkirche verstand man das Ereignis schon immer als Fest der Begegnung des Herrn, an dem der Messias in seinen Tempel kommt und symbolisch in Simeon und Hanna dem Gottesvolk des Alten Bundes begegnet. Der alte Simeon wartet im Tempel auf die Erfüllung einer Offenbarung. Ihm wurde geweissagt, dass er nicht eher sterben werde, bis er den Messias, den Retter aller Menschen, gesehen hat. Als Maria ihm schließlich das Jesuskind in die Arme legt, stimmt Simeon ein Loblied an: "Nun lässt du, Herr, deinen Knecht, wie du gesagt hast, in Frieden scheiden. Denn meine Augen haben das Heil gesehen, das du vor allen Völkern bereitet hast, ein Licht, das die Heiden erleuchtet, und Herrlichkeit für dein Volk Israel." Aus diesem Bekenntnis wurde später das Nachtgebet "Nunc dimittis". Ja, so redete Simeon, und nach diesen Worten geschah es, dass er im Geist verzückt wurde. Die Zukunft tat sich vor ihm auf, er sah von dem Kind auf seinen Armen ein Licht ausgehen, das die ganze Welt in Sonne kleidete, aber daneben erblickte er auch tiefschwarze Schatten, die gegen das Licht kämpften, und zu Maria gewendet, sprach er prophetisch die ahnungsschweren Worte: "Siehe, dieser ist bestimmt zum Fall und zur Auferstehung vieler in Israel und zu einem Zeichen, dem man widersprechen wird. Und auch deine Seele wird ein Schwert durchdringen, dass die Gedanken vieler Herzen offenkundig werden." Alles, was Simeon da sagte, ist später in Erfüllung gegangen. Den Heiland hat man ans Kreuz geschlagen, und neben dem Kreuz stand eine Mutter mit sieben Schwertern im Herzen, aber das Licht zur Erleuchtung der Heiden strahlt heute noch in die Welt, und kommen wird der Tag, an dem das Licht die Finsternis endgültig besiegt. Und damit wir an diese Tatsache erinnert und in diesem Glauben gestärkt werden, findet bei der heiligen Messe an Maria Lichtmess die Weihe der Kerzen statt, deren Licht ein Sinnbild Christi ist.
Übrigens, was die jüdische Anordnung der Reinigung der Mutter betrifft, war Maria diesem Gesetz nicht verfallen, denn was hat die reine Vermählte des Heiligen Geistes mit der Befleckung zu tun? Aber Maria legte das Gesetz nicht aus, sie befolgte es. Fern davon, der Welt das erstaunliche Wunder ihrer reinen jungfräulichen Mütterlichkeit zu offenbaren, bedeckte sie sich mit einem dreifachen Schleier und wollte sich demütig unter die Menge verlieren. Sie erinnerte sich an ihre Pflichten als Tochter Sions und entsagte, um sie zu erfüllen, ihrem Vorrecht als himmlische Mutter.
Nochmals: Maria Lichtmess erinnert also an diese biblische Szene, in der Maria und Josef ihren erstgeborenen Sohn Jesus in den Tempel bringen, um ihn Gott zu weihen. Der weise Simeon erkennt in Jesus den Retter und preist ihn als "ein Licht zur Erleuchtung der Heiden". Dieses Geschehen verleiht dem Fest seinen Namen und rückt das Licht als zentrales Symbol in den Fokus.
Der Brauch der Kerzenweihe an Lichtmess ist heute noch tief verwurzelt. Die geweihten Kerzen haben eine besondere Bedeutung für das ganze Jahr: Sie begleiten alle wichtigen Ereignisse wie Feste und Feiern, würdigen Jubiläen und kleine Maialtäre, schützen vor Unwettern und erleichtern den Sterbenden den Übergang ins ewige Licht.